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Meine liebste Lackmus-Übung: Viereck Verkleinern und Vergrößern

Mal unter uns, ich hatte in Chemie immer eine 5 (wenn’s gut lief) aber eine Sache ist hängen geblieben: Wenn man den PH-Wert einer Flüssigkeit bestimmen möchte, dann gibt man Lackmus hinzu. Färbt sich die Flüssigkeit rot liegt der PH Wert unter 4,5, färbt sie sich blau liegt er über 8,3. Dazwischen wird’s violett.

Lackmus ist nämlich eine Indikatorflüssigkeit und Indikatoren sind Hilfsmittel, die gewisse Informationen anzeigen können.
Mein Hilfsmittel, wenn ich Ausbildungs-Informationen über eine Reiterin und ihr Pferd erfahren möchte, ist das Viereck Verkleinern und Vergrößern (VVV). Ich nenne es deshalb meine Lackmus-Übung.

Die kleine Petze „Viereck Verkleinern und Vergrößern“

Je nachdem wie Mensch und Pferd diese Übung absolvieren, verrät sie mir wahnsinnig viel über den Ausbildungsstand der beiden, das VVV (Viereck Verkleinern und Vergrößern) verpetzt die beiden also irgendwie. Ich meine das natürlich ganz positiv und mit einem zwinkernden Auge, denn es geht ja nicht darum Fehler aufzudecken, sondern Optimierungsmöglichkeiten zu definieren und den Trainingsschwerpunkt für die nächsten Einheiten zu bestimmen.

Das, was das VVV mir verrät, kann die Übung natürlich auch dir verraten:

  • Sind deine Gewichts-, Zügel- und Schenkelhilfen so aufeinander abgestimmt, dass das Viereck Verkleinern und Vergrößern harmonisch und im Takt gelingt?
  • Sind deine innehaltenden Hilfen so gut etabliert, dass das Verhältnis von vorwärts und seitwärts innerhalb der Übung ausgeglichen ist?
  • Bleibt der Hals deines Pferdes in der Übung lang oder wird er kürzer, weil sich dein Pferd einrollt?
  • Drückt dein Pferd gegen die Hand und wird stark auf dem Zügel?
  • Funktioniert deine diagonale Hilfengebung?
  • Setzt du deine Körperhaltung und deinen Körperschwerpunkt sehr geschickt ein, und kannst dadurch die Bewegungsrichtung deines Pferdes positiv beeinflussen oder stellst du eher einen Störfaktor für die Bewegung deines Pferdes dar (sorry, aber wenn’s besser werden soll, müssen wir ehrlich analysieren ;-) )?
  • Sind deine Zügelhilfen so fein, dass der Hals deines Pferdes in der Übung lang und ohne Biegung bleibt?
  • Gelingt es dir Vor- und Hinterhand gleichzeitig nach vorwärts-seitwärts zu bewegen?
    • Wenn das nicht gelingt, welche Körperpartie deines Pferdes bricht seitlich aus? Die Vor- oder die Hinterhand?
  • Wie steht es um die Balance deines Pferdes? In welchem Takt absolviert es die Übung? Unrhythmisch und unsicher oder in einem klaren und rhythmischen Viertakt? Ist es so ausbalanciert, dass es beginnt zu diagonalisieren?
  • Wie koordinativ bewegt sich dein Pferd in der Übung? Kreuzt es mit Vorder- und Hinterbein deutlich über die Körpermitte oder tritt es mit dem jeweiligen Bein lediglich an die Körpermitte heran?

Eine spitzenmäßige Lackmus-Übung, oder?

So soll die Übung mit deinem Pferd aussehen

Um all das erkennen und zuordnen zu können, müssen wir uns kurz darüber unterhalten, wie das ideale Viereck Verkleinern oder Vergrößern aussehen soll.

  1. Die Übung verläuft entlang einer Diagonalen. Je nachdem wie steil diese ist, erhöht oder schwächt sich der Schwierigkeitsgrad der Übung.
  2. Das Pferd bleibt während der kompletten Übung parallel zur Bande – Vor- und Hinterhand haben stets den gleichen Abstand zur Bande.
  3. Die Stirn und die Brust des Pferdes zeigen während der gesamten Übung in Richtung kurzer Seite.
  4. Das Pferd ist im VVV NICHT gebogen, sondern bleibt in sich vollkommen gerade.
  5. Erlaubt ist zwar eine leichte Stellung im Genick entgegen der Bewegungsrichtung – ich rate allerdings sehr oft dazu, darauf zunächst völlig zu verzichten, da hier meist übertrieben wird und damit eine der größten Fehlerquellen darstellt.
  6. Das Viereck Verkleinern und Vergrößern wird in verringertem Tempo, einem Tempo unterhalb dem des Mittelschrittes geritten.
  7. Es sollte zu jedem Zeitpunkt der Übung möglich sein, das Pferd unverzüglich und ausbalanciert zum Halten zu bringen.

Na, schon neugierig wie die Ergebnisse bei dir und deinem Pferd ausfallen werden? Dann nix wie rein in den Sattel und ausprobieren! Natürlich kannst du das VVV auch vom Boden aus erarbeiten. Für dein Pferd hat es den gleichen gymnastizierenden Effekt und du kannst prima das Feintuning deiner Hilfen am Boden überprüfen.

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Was bringt’s deinem Pferd?

Das VVV gehört zu den lösenden und mobilisierenden Übungen und kann daher hervorragend in deine Aufwärmphase integriert werden. Da sich dein Pferd mit seinem gesamten Körper vorwärts-seitwärts bewegt, wirken die positiven Effekte gleichermaßen auf Vor- und Hinterhand. Im Bereich der Hinterhand löst es verspannte Muskelketten und erhöht die Beckenbeweglichkeit. Außerdem werden durch das VVV Muskeln angesprochen, die dein Pferd später für die Versammlung benötigt und es trainiert die Muskeln der Körperunterseite und unterstützt dadurch eine gute Rückentätigkeit.

Im Bereich der Vorhand dehnt und kräftigt es die Brustmuskulatur und verbessert die Schulterfreiheit. Zusätzlich verbessert es die Koordination und die Balance deines Pferdes und ist somit auch eine tolle Übung für Pferde, die mit dem Sortieren der eigenen Beine ein Problem haben.

Für welches Pferd taugt’s nichts?

Aufgrund seiner tollen mobilisierenden Eigenschaften ist es für hypermobile Pferde eher weniger geeignet, da diese grundsätzlich mehr Stabilität benötigen und nicht noch mehr Beweglichkeit. Du solltest das VVV in der Arbeit mit solchen Pferden nur sehr dosiert einsetzen.

Auf die Reitplätze, ausprobieren!

Ich hoffe ich konnte deine Neugier auf diese tolle Übung wecken, in der sich so viele unterschiedliche Vorteile für dich und dein Pferd verstecken und würde mich mega über ein paar Fotos oder kleine Videos von euren Ergebnissen freuen! <3

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Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren!

Liebe Grüße
Eure Tine


Und wie immer gilt: Fragen? Trau dich zu fragen! Ich bin ziemlich nett. ;-)

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Von |2021-08-25T17:10:29+02:00August 25th, 2021|Besser reiten mit Tine, Kreis-Meister-Konzept|0 Kommentare

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