Das Kreis-Meister-Konzept
Fast alle Probleme, die dir beim Reiten begegnen, lassen sich auf drei Ursachen zurückführen:
Ich möchte mich hier um die ersten beiden Punkte kümmern und kann dir versichern: damit sieht sich jeder Reiter konfrontiert!
Wie sich die beiden Eigenschaften auf genau dein Pferd und genau dein Reiten auswirken, habe ich dir unten in einer Tabelle zusammengefasst.
Die gute Nachricht ist, die Reitlehre hat exakt zwei Gegenmaßnahmen zur Hand um die Schiefe und die Vorhandlastigkeit in den Griff zu bekommen: Die Geraderichtung und die Versammlung.
Nun winken aber bei den Begriffen Versammlung und Geraderichtung viele Reiter ab. Manche, weil sie glauben das ganze Thema sei zu kompliziert, abgehoben, „richtige“ Dressur eben, manche, weil sie glauben, das beträfe sie nicht, sie seien ja schließlich nur Freizeitreiter. Wieder andere sind davon überzeugt, die Beschäftigung mit diesen Themen, findet erst in weiter Zukunft statt, da ihre Pferde ja noch lange nicht soweit sind. Alle diese Annahmen führen aber leider dazu, dass beim Reiten Probleme auftauchen, die sehr leicht hätten vermieden werden können.
„Die Ausbildungsstufen haben erst im zweiten Schritt etwas mit der sportlichem Entwicklung zu tun. Primär geht es dabei um die Gesunderhaltung Deines Pferdes.“
– Christine Hlauscheck
Jeder der glaubt, er käme beim Reiten ohne Geraderichtung und Versammlung aus, der irrt sich!
Wenn wir die reinen Geländereiter mal außen vor lassen – da sie sich nicht mit den räumlichen Gegebenheiten einer Halle oder eines Platzes auseinandersetzen müssen – so muss jeder Reiter, der sich um die Gesundheit und das seelische Wohlbefinden seines Pferdes sorgt, gemeinsam mit ihm gewissen Ausbildungsstufen erklimmen.
Diese Ausbildungsstufen haben eigentlich erst im zweiten Schritt etwas mit der sportlichem Entwicklung zu tun. Primär geht es dabei um die Gesunderhaltung unserer Pferde, denn die reiterliche Nutzung eines Pferdes hat unmittelbare Auswirkungen auf seinen Körper, seine Gesundheit und sein seelisches Gleichgewicht.
Und ich möchte es mal so ausdrücken: jeder, der sein Pferd einfach „nur“ reitet, ohne sich um die Grundlagen der Ausbildungslehre zu kümmern, der verschleißt sein Pferd, physisch und psychisch. Reitpferdeausbildung heißt nicht, den Pferden so viele Übungen und Lektionen wie nur möglich beizubringen, sondern es bedeutet, den Pferdekörper auf alle Aufgaben, die ihm gestellt werden bestmöglich vorzubereiten, damit er unversehrt bleibt. Und genau aus diesem Grund ist die Auseinandersetzung mit der Geraderichtung und der Versammlung so wichtig.

Die Balance deines Pferdes ist das Zauberwort
Wenn etwas im Gleichgewicht ist, bedeutet es, dass alle beteiligten Elemente ausgewogen sind und harmonisch und reibungslos miteinander arbeiten. Dies gilt für technische Maschinen genauso wie für Lebewesen. Ein störungsfreier Ablauf sichert ein Maximum an Ökonomie. Keine unnötigen Energieverluste durch Spannungsfelder, Reibungen oder Blockaden. Bei der Ausbildung eines Reitpferdes ist die Balance in zweierlei Hinsicht von großer Bedeutung:
- Die seitliche Balance, also die von rechts nach links – die Milderung der natürlichen Schiefe
- Die horizontale Balance, also die von vorne nach hinten – die Milderung der natürlichen Vorhandlastigkeit des Pferdes
Die seitliche oder laterale Balance
Bei der seitlichen Balance geht es darum, die negativen Auswirkungen der natürlichen Schiefe auf den Pferdekörper zu reduzieren. Genauso wie bei uns Menschen, ist auch beim Pferd rechts nicht gleich links. Die beiden Körperhälften sind unterschiedlich ausgeprägt und mit unterschiedlichen Eigenschaften versehen. Deshalb klappen manche Übungen auf der linken Hand besonders gut, andere wiederum auf der rechten besser. Die natürliche Schiefe sorgt für ein gewisses Ungleichgewicht der Kräfte im Pferdekörper, was dazu führt, dass während des Reitens manche Körperpartien sehr stark belastet werden, andere weniger.
Schau dir einmal die Auflistung an. Ich bin mir sicher, du wirst dich und dein Pferd in einigen Punkten wieder erkennen.
Eigenschaft beim Pferd | Auswirkung auf das Reiten |
---|---|
Die Muskulatur der linken Körperhälfte ist im Vergleich zur rechten verkürzt. | Linkswendungen, -zirkel, -volten klappen vermeintlich leichter als die nach rechts, der linke Schenkel fühlt sich an, als treibe er in eine Kuhle, es fehlt der positive Widerstand des Rumpfes, das Pferd reagiert schlechter auf den linken Schenkel. |
Die Muskulatur der rechten Körperhälfte ist weniger kontraktionsfähig. | Gebogene Linien auf der rechten Hand zu reiten ist schwieriger, trotz eines besseren Kontaktgefühls und einer besseren Annahme des rechten Schenkels. |
Das Vorderbein der Zwangsseile (hier rechts) ist das mehrbelastete Vorderbein. | Das Pferd bricht auf linksgebogenen Linien leichter über die rechte Schulter nach außen weg. Auf der rechten Hand fällt es auf das innere Vorderbein in den Zirkel. |
Als Folge dessen trägt das Pferd zum Außgleich der Balance den Kopf nach links geneigt. | Der Zügel der hohlen Seite fühlt sich auf negative Art leichter an. Es ist schwerer, hier eine korrekte Anlehnung zu erhalten. Der Zügel der Zwangsseite ist gestraffter, das Pferd möchte sich nicht weich stellen lassen. |
Das Hinterbein der hohlen Seite tritt aufgrund der Beckenstellung leicht am Körperschwerpunkt vorbei und ist im Vergleich das etwas schwächere, aber dafür in den Gelenken biegsamere der der beiden Hinterbeine. bieg Es schiebt besser. | Im Vorführen des linken Hinterbeines fühlt es sich an, als ob man mit dem linken Gesäßknochen in einer Kuhle sitzt, die Bewegung ist weicher. |
Das Hinterbein der Zwangsseite hingegen ist das stärkere, dafür aber etwas steifere. | Hier fühlt es sich eher so an, als ob der Gesäßknochen im Vertreten des rechten Hinterbeines nach oben angehoben wird. Die Bewegung ist im Vergleich etwas härter. |
Die Achsen von Schultergürtel und Becken verlaufen nicht parallel zueinander. | Übungen wie Schenkelweichen, Viereck Verkleinern und Vergrößern, die Fächer oder die Wendungen, die ein Kreuzen der Beine erfordern, fallen je nach Hand und Bewegungsrichtung unterschiedlich schwer. |

Eine ungleiche Verteilung der Körperlast führt unkorrigiert auf Dauer zu körperlichen Schäden aufgrund von Überbelastung.
Die Geraderichtung sorgt nun dafür, dass sich beide Körperhälften in ihren Eigenschaften einander annähern. Sie macht die hohle Seite gerader und die steife Seite elastischer, sie stärkt das schwache Hinterbein und macht das starke beweglicher. Sie egalisiert die Schultern und verteilt dadurch die Last gleichmäßig auf beide Vorderbeine.
Für die geraderichtende Arbeit muss ein Pferd nicht erst ein gewissen Alter erreicht haben, sie beginnt mit dem ersten Tag der Ausbildung. Und sie ist von entscheidender Bedeutung für jedes in der Bahn/auf dem Platz gerittene Pferd, denn gerade dort erhöhen sich die auf den Körper wirkenden Kräfte (z. B. die Zentrifugalkraft) um ein Vielfaches.
Ein Pferd, dessen Körper ungeachtet dieser Kräfte, ohne Berücksichtigung der geraderichtenden Arbeit, geritten wird, kann schwere Schäden des Bewegungsapparates davontragen. Somit ist klar, die Geraderichtung seines Pferdes geht jeden Reiter etwas an.

Die horizontale Balance
Ziemlich ähnlich verhält es sich mit der horizontalen Balance. Hierbei handelt es sich um die naturgegebene Vorhandlastigkeit des Pferdes. Auch diese, würde unkorrigiert zu einem erheblichen Verschleiß der Vorderbeine führen, wenn das Pferd geritten wird.
Die Entwicklung der Bewegungsenergie von hinten nach vorne führt unweigerlich zu einer Belastung der Vorhand, die mit erhöhter Geschwindigkeit, also im Trab und Galopp, exponentiell ansteigt.

Je besser es dem Reiter mithilfe der Versammlung gelingt, dieses Ungleichgewicht zu egalisieren, sprich den Körperschwerpunkt des Pferdes allmählich nach hinten zu verlagern und somit die Vorhand zu entlasten, umso schonender und effizienter wird die Ausbildung seines Pferdes.

Mit dem Kreis-Meister-Konzept das Ziel erreichen!
Die schrittweise Verbesserung dieser beiden Balance-Komponenten, begleitet uns also die gesamte Reitzeit. Das Alter, der Ausbildungsstand und der Gesundheitszustand des Pferdes und die Fähigkeiten des Reiters entscheiden darüber, auf welchem Niveau und mit welchen Übungen diese Verbesserung erreicht werden kann.
Im Kreis-Meister-Konzept habe ich 30 Übungen (mit den Variationen der Übungen sogar über 50!) zusammengestellt, die dich dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen.
In kleinen, logisch aufeinander aufgebauten Schritten, entwickelst du gemeinsam mit deinem Pferd die Fähigkeiten und Vorraussetzungen für eine verbesserte Geraderichtung und eine beginnende Versammlung. Ohne Stress und Trainingsfrust, dafür mit viel Abwechslung, Freude und sichtbaren Erfolgen. Leicht verständlich erklärt, für jedes Leistungsniveau und für jedes Alter.

Begib dich auf eine spannende Entwicklungsreise, deren Ziel ein geschmeidig gebogenes und bereits leicht versammeltes Pferd ist.
Mit dem Kreis-Meister-Konzept wirst du lernen:
- welche Übungen dabei helfen, die körperlichen Voraussetzungen deines Pferdes dahingehend zu verbessern!
- wie deine Hilfengebung fein und dennoch effektiv werden kann!
- warum die Logik dein bester Freund ist!
- dass Du mit Köpfchen viel mehr erreichst als mit Wiederholungen und Kraft!
- dass du mit Spaß und Kreativität viel schneller und effektiver zu Ziel kommst, als mit herkömmlichem Training!